Date: 15.10.2019
Ziel eines Gutachtens soll sein, alle Indizien abzuwägen und die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Suizides bzw. Unfalls darzustellen.
Insbesondere interessiert häufig die Klärung folgender Fragen:
Wundballistik
Direkte Gewebszerstörung kinetischer Energie. Die Morphologie eines Defekts im Körper, welcher durch Geschossverletzung entsteht, kann Aussagen über vielerlei Parameter liefern. So können sich Hinweise bezüglich der Schussentfernung, dem Winkel des Auftreffens oder der Beschaffenheit des Projektils ergeben.
Suizidtypische Region
Schläfe, Mund, Herzgegend, Stirn, submental
Innenballistik
Die Innenballistik beschreibt die Vorgänge innerhalb einer Waffe.
Abgangsballistik
Die Abgangsballistik beschreibt die Vorgänge des Geschosses an der Laufmündung.
Außenballistik
Die Außenballistik beschreibt den Flug eines Geschosses und ist für die forensische Beurteilung von Schussverletzungen ein wichtiges Teilgebiet, da man durch Berechnungen der Flugbahn, Schussentfernung, Auftreffwinkel usw. mögliche Rückschlüsse auf den Tathergang ziehen kann.
Endballistik (Wundballistik)
Die Endballistik beschreibt die Interaktion von Geschoss und Zielobjekt.
Unfallverhütungsvorschriften Jagd - Auszüge, Zitate…
§ 1 Grundsätze
Diese Unfallverhütungsvorschrift gilt für den Umgang mit Waffen und Munition sowie für die Ausübung der Jagd.
§ 2 Waffen und Munition
Es dürfen nur Schusswaffen verwendet werden, die den Bestimmungen des Waffengesetzes entsprechen und nach dem Bundesjagdgesetz für jagdliche Zwecke zugelassen sind. Die Waffen müssen funktionssicher sein und dürfen nur bestimmungsgemäß verwendet werden.
§ 3 Ausübung der Jagd
Schusswaffen dürfen nur während der tatsächlichen Jagdausübung geladen sein. Die Laufmündung ist stets - unabhängig vom Ladezustand - in eine Richtung zu halten, in der niemand gefährdet wird. Nach dem Laden ist die Waffe zu sichern. Eine gestochene Waffe ist sofort zu sichern und zu entstechen, falls der Schuss nicht abgegeben wurde. Beim Besteigen von Fahrzeugen und während der Fahrt muss die Schusswaffe entladen sein. Beim Besteigen oder Verlassen eines Hochsitzes, beim Überwinden von Hindernissen oder in ähnlichen Gefahrlagen müssen die Läufe (Patronenlager) entladen sein. Ein Schuss darf erst abgegeben werden, wenn sich der Schütze vergewissert hat, dass niemand gefährdet wird. Durchführungsanweisung zu Absatz 4
Eine Gefährdung ist z. B. dann gegeben, wenn
Bei einer mit besonderen Gefahren verbundenen Jagdausübung ist ein Begleiter zur Hilfeleistung mitzunehmen.
Durchführungsanweisung zu Absatz 6
Besondere Gefahren können sich ergeben z. B. durch Witterungs-, Gelände- und Bodenverhältnisse, vor allem im
Hochgebirge, auf Gewässern und in Mooren oder bei der Nachsuche auf wehrhaftes Wild.
Die Waffe ist außerhalb des Treibens stets ungeladen, mit geöffnetem Verschluss und mit der Mündung nach oben oder abgeknickt, zu tragen. Bei schlechten Sichtverhältnissen hat der Jagdleiter die Jagd einzustellen.
Diese Grundsätze gelten auf jagdlicher Ebene, nicht nur innerhalb Deutschlands, diese können insbesondere gleichgelagert auf EU-Ebene (EU-Mitgliedstaaten) übertragen werden. Ein Aufstützen auf dem Gewehrkolben, bspw. um sich durch Gelände zu bewegen, gilt unter vorgenannten und anerkannten Gesichtspunkten als vorsätzlich bzw. grob fahrlässig und widerspricht absoluten sicherheitsrelevanten Aspekten einer ordnungsgemäßen Einhaltung der jagdlichen und waffenrechtlichen Vorgaben. Die Waffe muss jederzeit sicher transportiert/ getragen werden, insbesondere wenn Hindernisse, unwegsames oder gefahrbringendes Gelände (nasser Boden, Steine, Gefälle, Dunkelheit usw.) das sichere Begehen und Durchschreiten gefährden oder gefährden könnte. Grundsätzlich wird ein Gewehr kurz vor, also unmittelbar vor der Schussabgabe entsichert (geladen, Patrone im Patronenlager, schussbereit und entsichert).
Möglichkeiten zur Waffensicherung
Waffensicherungen ermöglichen, eine Waffe möglichst sicher zu führen.
Abzugssicherungen
Bei einer Abzugssicherung wirkt eine Sperre auf eines oder mehrere Bauteile der Mechanik des Abzugsystems.
Schlagbolzensicherungen
Die Schlagbolzensicherung blockiert den Schlagbolzen. Damit wird das letzte Bauteil in der Kette blockiert, welche zur Schussabgabe führt.
Handspannung
Da die Waffe bei einem Handspannsystem zwar geladen, das Schloss aber nicht gespannt ist, lassen sich diese Waffen universell für alle Jagdarten einsetzen.
Weitere wesentliche sachverständige Aspekte:
Temporäre Wundhöhle
Hohlmantel
Hydrodynamischer Sprengeffekt
flüssigkeitsgefüllte Hohlorgane (z.B. Herz, Blase)
flüssigkeitsreiche Organe (Gehirn)
Infolge Inkompressibilität des „Wasseranteils“: Zerreißungen der Hohlorgane bzw. Berstung
Schussformen
Streifschuss
Prellschuss (< 0,1 J/ mm2)
Steckschuss
Gellerschuss (Abpraller) / Rikoschett (abgeknickter Schusskanal)
Durchschuss (Sonderform: 2 Segment Treffer)
Krönleinschuss (hydrodynamischer Sprengeffekt)
Schussentfernung
Absoluter Nahschuss - aufgesetzte Waffe: Stanzmarke u. Schmauchhöhle, evtl. strahlige Platzwunden über knöchernen Widerlagern (Kopfschuss), Abstreifring und Kontusionssaum können fehlen.
Kriminalistische Aspekte
Suizid
Homizid